Schwartz & Co - Strategy Consulting

Herausforderungen des Energiesektors

Seit mehr als zehn Jahren sehen sich die Unternehmen des Energiesektors mit einer Welle von Änderungen konfrontiertdie sowohl destabilisierend wirken, als auch neue Möglichkeiten schaffen: vollkommene Öffnung des Elektrizitäts- und Gasversorgungsmarktes gegenüber der Konkurrenz, Regulierung der Aktivitäten der Netze, Entwicklung von Großabnehmermärkten und dadurch starke Preisschwankungen, immer schärfere gesetzliche Verpflichtungen bezüglich der Treibhausgasemissionen, erneuerbaren Energien und Energieeinsparungen.

Diese Welle hat zu tiefgreifenden Veränderungen geführt: Trennung zwischen regulierten und liberalisierten Aktivitäten, Entwicklung neuer Business-Modelle zu den Werteketten im Strom- und Gassektor, Konvergenz zwischen Strom - und Gaslieferung, beträchtlicher Ausbau der Trading-Aktivitäten als Mittel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, starkes Wachstum der Parks zur Erzeugung erneuerbarer Energien, teilweiser oder vollständiger Rückzug der Staaten aus dem Kapital der alt eingesessenen Energielieferanten, Internationalisierung der Akteure und Konzentration des Sektors.

Dieser Wandel ist jedoch noch lange nicht beendet, und es gilt, neue Herausforderungen zu meistern:

  • Die Öffnung der Märkte gegenüber der Konkurrenz ist in zahlreichen Ländern noch nicht vollständig vollzogen und hat noch nicht die von ihren Initiatoren versprochenen Vorteile gebracht: Im Rahmen des 3. Energiepakets ist die Weiterentwicklung der Organisationsmodelle der nationalen Märkte, der Aktivitätsmodelle und der Organisation der Energieversorger unter Berücksichtigung bedeutender strategischer und finanzieller Herausforderungen bei weitem noch nicht beendet.
  • Die Konsolidierung des Sektors steckt noch in den Kinderschuhen: Die kleinen Akteure haben der Öffnung der Märkte besser standgehalten als ursprünglich befürchtet, während es zahlreichen großen Betreibern nicht gelungen ist, sich auf bestimmten europäischen Schlüsselmärkten durchzusetzen; letztere müssen neue Positionen auf internationaler Ebene erobern, um die zukünftigen Marktanteilverluste auf ihrem nationalen Markt auszugleichen, oder mit anderen, besser positionierten Akteuren fusionieren.
  • Die Versorgungssicherheit ist durch die Öffnung der Märkte komplexer geworden, hat sich aber gleichzeitig zu einer bedeutenden Problematik vor dem Hintergrund der zu geringen Investitionen in die Stromerzeugung und der wiederholten russisch-ukrainischen Gaskrisen entwickelt: Die Energieversorger werden bedeutende Investitionen in die Gas- und Stromversorgungsinfrastrukturen finanzieren und auf sehr unterschiedlichen Ebenen ihren Zugang zu den Gasvorkommen ausbauen müssen, und dies trotz einer großen Unsicherheit sowohl bezüglich des Angebots als auch der Nachfrage.
  • Die erneuerbaren Energien machen bislang noch einen sehr geringen Anteil des Energieverbrauchs aus, und die Umsetzung der Zielsetzungen des Klima-Energie-Pakets stellt eine gesetzgeberische, wirtschaftliche, finanzielle und technische Herausforderung sowohl für die Energieversorgungsunternehmen als auch für die Regulierungs- und öffentlichen Behörden dar: Erstere werden ihre Versorgungsnetze neu gestalten, in die Erzeugung gewinnträchtiger, erneuerbarer Energien und in zusätzliche flexible Produktionskapazitäten investieren und neue Wirtschaftsmodelle zu umweltfreundlichen Produkten und Serviceleistungen entwickeln müssen; die zweiten werden einen Rahmen für Investitionsanreize in diesen Branchen vorgeben müssen, der mit den auf europäischer und nationaler Ebene festgelegten Zielsetzungen kompatibel ist.
  • Und schließlich stellen die Verbesserungszielsetzungen der Energieeffizienz bis 2020 einerseits zwar ein Risiko für die Betreiber dar, andererseits aber eine gute Gelegenheit zur Entwicklung neuer Dienstleistungsaktivitäten.